Der Stundenverrechnungssatz ist der Preis, den euer Betrieb pro produktiver Monteurstunde verlangen muss, damit Löhne, Lohnnebenkosten, alle Gemeinkosten und ein Gewinn gedeckt sind. Im Elektrohandwerk liegt er im Schnitt bei 55 bis 65 Euro netto, in Ballungsräumen deutlich darüber. Das Problem: Viele Betriebe übernehmen einen Marktwert oder den Satz vom Vorjahr, statt ihn aus den eigenen Zahlen zu berechnen. Hier steht die Formel, ein komplettes Rechenbeispiel und die zwei Fehler, die am meisten Geld kosten.
Die Formel: vier Bausteine, ein Satz
Die Rechnung selbst ist keine Raketenwissenschaft. Der Stundenverrechnungssatz besteht aus vier Bausteinen:
- Lohnkosten: der Bruttolohn des Monteurs.
- Lohnnebenkosten: Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft, Umlagen - zusammen gut 20 Prozent auf den Bruttolohn.
- Gemeinkosten: alles, was der Betrieb kostet, ohne direkt verrechenbar zu sein - Büro und Verwaltung, Fahrzeuge, Werkzeug und Messtechnik, Versicherungen, Miete, Software, Werbung und die unproduktiven Stunden aller Mitarbeiter.
- Gewinnzuschlag: ohne Gewinn keine Rücklagen, keine Investitionen, kein Puffer für schlechte Monate.
Alle diese Kosten werden auf die produktiven Stunden umgelegt - also auf die Stunden, die ihr tatsächlich einem Kunden berechnen könnt. Und genau da beginnt der Teil, den viele unterschätzen.
Produktive Stunden: die Zahl, die alles entscheidet
Ein Monteur wird für rund 2.000 Stunden im Jahr bezahlt. Verrechenbar davon ist deutlich weniger:
| Position | Stunden pro Jahr |
|---|---|
| Bezahlte Arbeitszeit (39 h pro Woche) | ca. 2.030 |
| Urlaub (30 Tage) | - 234 |
| Feiertage (ca. 11 Tage) | - 86 |
| Krankheit (ca. 10 Tage) | - 78 |
| Unproduktive Zeit: Fahrten, Lager, Werkstatt, Besprechungen | - 230 |
| Produktive, verrechenbare Stunden | ca. 1.400 |
Dieser Planwert von rund 1.400 Stunden hat sich im Elektrohandwerk bewährt. Aber: Es ist ein Planwert. Ob euer Betrieb bei 1.300 oder 1.500 liegt, entscheidet über mehrere Euro pro Stunde - und das wisst ihr nur, wenn eure Zeiterfassung produktive und unproduktive Zeiten sauber trennt.
Rechenbeispiel: ein Geselle, komplett durchgerechnet
Nehmen wir einen Elektrobetrieb mit einem Gesellen bei 23 Euro Bruttostundenlohn:
| Position | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Jahresbruttolohn | 23 Euro x 2.030 h | 46.690 Euro |
| Lohnnebenkosten (ca. 21 %) | 46.690 x 0,21 | 9.805 Euro |
| Lohnkosten gesamt | 56.495 Euro | |
| Lohnkosten je produktive Stunde | 56.495 / 1.400 h | 40,35 Euro |
| Gemeinkostenzuschlag (ca. 70 %) | 40,35 x 0,70 | 28,25 Euro |
| Selbstkosten je Stunde | 68,60 Euro | |
| Gewinnzuschlag (8 %) | 68,60 x 0,08 | 5,49 Euro |
| Stundenverrechnungssatz (netto) | ca. 74 Euro |
Aus 23 Euro Stundenlohn werden 74 Euro Verrechnungssatz - mehr als das Dreifache. Wer Kunden gegenüber begründen muss, warum die Elektrikerstunde so viel kostet, hat mit dieser Rechnung die Antwort. Der Gemeinkostenzuschlag von 70 Prozent ist dabei ein typischer Wert - je nach Betrieb liegt er zwischen 60 und 80 Prozent und sollte einmal jährlich aus der eigenen Buchhaltung ermittelt werden.
Die zwei Fehler, die am meisten kosten
Fehler 1: Mit bezahlten statt produktiven Stunden rechnen
Wer die 56.495 Euro Lohnkosten durch 2.030 bezahlte Stunden teilt, kommt auf 27,83 Euro je Stunde - und damit auf einen Verrechnungssatz, der über 20 Euro zu niedrig liegt. Bei 1.400 verkauften Stunden im Jahr fehlen dann rund 30.000 Euro. Pro Monteur. Dieser eine Rechenfehler ist der Grund, warum manche Betriebe trotz voller Auftragsbücher nichts verdienen.
Fehler 2: Den Satz berechnen, aber die Stunden nicht kennen
Der schönste Verrechnungssatz nützt nichts, wenn die kalkulierten Stunden nicht stimmen. Wenn die Wallbox-Installation mit 6 Stunden angeboten wird, aber regelmäßig 9 braucht, zahlt ihr bei jedem Auftrag drauf - egal wie sauber der Stundensatz kalkuliert ist. Die Antwort ist Nachkalkulation: Stunden pro Auftrag erfassen, mit dem Angebot vergleichen, Angebote anpassen. Im Ratgeber zu digitalen Stundenzetteln steht, wie ihr genau diese Datenbasis aufbaut - und in Kabelix laufen Zeiten und Aufträge dafür an einem Ort zusammen.
Meisterstunde und Gesellenstunde: warum eine Mischkalkulation Geld verschenkt
Viele Betriebe rechnen mit einem einzigen Verrechnungssatz für alle. Das ist bequem, aber teuer: Die Meisterstunde kostet den Betrieb spürbar mehr als die Gesellenstunde - höherer Lohn, mehr unproduktive Zeit für Angebote, Planung und Betriebsführung. Wer beides zum selben Satz verkauft, subventioniert Meisterleistungen aus der Gesellenmarge.
Der Markt trennt längst: Die Gesellenstunde bewegt sich meist am oberen Ende der eingangs genannten Spanne, also um die 60 bis 65 Euro, die Meisterstunde häufig um die 80 Euro und darüber. Sinnvoll ist die Trennung besonders dort, wo Meisterleistung explizit gefragt ist - Abnahmen, Prüfungen, Inbetriebnahmen, Planungsleistungen. Für gemischte Baustellenteams bleibt ein kalkulierter Teamsatz praktikabel, solange er aus den echten Anteilen beider Gruppen berechnet ist und nicht aus dem Bauchgefühl.
Dazu kommt die regionale Ehrlichkeit: Zwischen einem Betrieb in München und einem im ländlichen Brandenburg liegen beim selben Leistungsprofil schnell 20 bis 30 Euro Unterschied - wegen Löhnen, Mieten und Fahrzeiten, nicht wegen Gier. Der Vergleich mit dem "Durchschnitt aus dem Internet" führt deshalb in die Irre. Maßgeblich ist, was eure Kosten hergeben.
Den Satz dem Kunden erklären, ohne sich zu rechtfertigen
Die gefürchtete Frage "Warum kostet die Stunde bei euch 74 Euro, wenn der Geselle 23 verdient?" ist mit sauberer Kalkulation keine Provokation mehr, sondern eine Steilvorlage. Die Antwort in drei Sätzen:
- Vom Verrechnungssatz ist der Stundenlohn nur ein Drittel - der Rest sind Sozialabgaben, Fahrzeug, Werkzeug und Messtechnik, Versicherungen, Büro und die Zeit, die nicht verrechenbar ist (Fahrt, Urlaub, Krankheit).
- Bezahlt wird nur die produktive Stunde beim Kunden - die Anfahrt zum Großhandel, die Angebotserstellung und die Dokumentation stecken im Satz, nicht auf der Rechnung.
- Ein Betrieb, der unter seinen Kosten anbietet, ist beim nächsten Gewährleistungsfall nicht mehr da - der Satz ist auch die Garantie, dass es den Betrieb in fünf Jahren noch gibt.
Betriebe, die ihre Kalkulation offenlegen können, verlieren die Preisdiskussion fast nie - weil aus "der ist teuer" ein "das ist nachvollziehbar" wird. Die Voraussetzung ist wieder dieselbe: die eigenen Zahlen wirklich kennen.
So bleibt der Satz aktuell
- Einmal jährlich neu rechnen - nach Lohnrunden und mit den Gemeinkosten aus dem letzten Jahresabschluss.
- Produktive Stunden aus der Zeiterfassung ziehen statt den Planwert ungeprüft zu übernehmen.
- Nachkalkulation je Auftragsart - Wallbox, Zählerschrank, Kleinreparatur haben unterschiedliche Zeitprofile.
- Meister- und Gesellenstunde trennen - eine Mischkalkulation verschenkt bei Meisterleistungen Geld.
Unterm Strich: Der Stundenverrechnungssatz ist keine Zahl, die man einmal festlegt und vergisst. Er ist das Ergebnis eurer echten Betriebszahlen - und die bekommt ihr nur mit einer Zeiterfassung, die Stunden sauber den Aufträgen zuordnet. Rechnen statt schätzen heißt am Ende: verdienen statt draufzahlen.